© Dr. Daniel Schuhmann - Stiftung - 2020
Dr. Daniel Schuhmann - Stiftung
Tam brevem carpsi vitam So hätte Daniel Schuhmann wohl sein in manchen Belangen noch unerfülltes Leben umschrieben, nachdem ihn ein bösartiger Tumor innert kurzer Zeit aus dem Leben gerissen hat. Mit seinem frühen Tod verliert die archäologische community nicht nur einen begabten und vielseitig interessierten Archäologen, der neben seinen profunden Kenntnissen im Bereich der EDV, der GIS und des Vermessungswesens auch über breit gefächerte, diachrone und interdisziplinäre Kompetenzen in der ur- und frühgeschichtlichen und provinzialrömischen Archäologie verfügte, sondern auch einen liebenswerten und allseits geschätzten Freund und Kollegen. Daniel Schuhmann studierte zwischen 2003 und 2007 an der Universität Basel Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie und schloss seine Studien mit einer Diplomarbeit über «Digitale Modellierungen und Schichtrekonstruktionen der paläolithischen Fundstelle Hummal, Syrien» ab. Während seines Studiums nahm er regelmässig an den Grabungskampagnen in der römischen Siedlung Oedenburg-Biesheim im Elsass (2003–2005) und in der paläolithischen Fundstelle El Kowm in Syrien (2005–2010) teil. Letztere lieferten auch das Datenmaterial für seine Dissertation zum Thema «ElKowmGIS: Ein neues System zur Dokumentation archäologischer Fundstellen», welche 2013 in gedruckter Form erschien. Während seines Doktorats nahm Daniel Schuhmann zudem an zwei Grabungen in der paläolithischen Fundstelle von Mutzig (F) teil, wo er sich wie auch in El Kowm neben anderen Aufgaben jeweils Zeit nahm, die Mitglieder des Grabungsteams in die digitale Grabungsvermessung einzuführen. Daniel Schuhmann arbeitete aber schon während seines Studiums bzw. Doktorats regelmässig «on the job», so etwa als System- und Netzwerkadministrator und als Lehrbeauftragter für «Digitale Vermessung mittels AutoCAD und TachyCAD» bei der IPNA (2004–2009) bzw. (2007–2014), als Koordinator des Digitalisierungsprojektes «Archäologische Bilddatenbank» (2010–2012) am Departement Altertumswissenschaften, als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt «Mediterraner Import und seine Rezeption nördlich von Etrurien: Transfer von Ideen und Ideologien in einer Kontaktzone der Mittelmeerwelt im 7.–5. Jh. v.Chr.» am Seminar für Klassische Archäologie (2012–2015) sowie in der Abteilung Archäologie & Forschung der Römerstadt Augusta Raurica (2012–2015). Dort erwarb er sich namentlich grosse Verdienste bei der Ergänzung und Bereinigung des digitalen Stadtplans von Augusta Raurica. Als assoziierter Forscher und Lehrbeauftragter der Vindonissa-Professur hatte Daniel Schuhmann seit 2012 nicht nur Gelegenheit sein umfassendes Wissen im Bereich der digitalen Archäologie an die Studierenden weiterzugeben, sondern hatte auch grossen Anteil am erfolgreichen Abschluss von verschiedenen Forschungs- und Publikationsprojekten. Zu erwähnen sind vorab die Entwicklung einer EDV-Applikation für die interdisziplinäre Auswertung von römischen Nekropolen, das mehrjährige Prospektionsprojekt im Kanton Obwalden (2012–2015) sowie das Projekt «Erforschung, Sanierung und «mise en valeur» der spätantiken Wachtürme und militärischen Anlagen am Hochrhein» (2014–2015). Andere längerfristige Projekte - die grossflächigen Prospektionen in Augusta Raurica, die Prospektionen und Forschungsgrabungen auf der Colline de Paplemont (Cornol JU) sowie das vom Departement Geschichte und dem Europainstitut Basel in Kooperation mit dem Digital Humanities Lab der Universität Basel getragene Pilotprojekt «Research Navigator» konnte er aus gesundheitlichen Gründen nur noch in der Kickoff-Phase begleiten. In Erinnerung bleiben wird Daniel Schuhmann aber nicht nur allen, die ihn persönlich gekannt haben, sondern auch den künftigen Mitgliedern der Basler scientific community Zusammen mit seinem Vater Hugo Schuhmann verfügte er nämlich unmittelbar vor seinem Tod und eine grosszügige Schenkung zu Gunsten der Universität Basel. Der «Dr. Daniel Schuhmann-Fonds» soll zur Unterstützung von Studierenden und Doktorierenden der Ur- und Frühgeschichtlichen, der Provinzialrömischen, der Prähistorischen und Naturwissenschaftlichen, der Klassischen Archäologie sowie der Neueren Allgemeinen Geschichte, welche aus Syrien oder anderen Ländern des Nahen Ostens stammen, sowie von archäologisch-historischen Exkursionen der erwähnten Fachbereiche eingesetzt werden. Peter-A. Schwarz